Januar 31, 2012

Einen Kopf voll Idealen

Zweiter Teil einer kleinen Zusammenfassung zum Freitag Abend und der anschließenden Nacht.

Bevor du deine Stadt verändern kannst, musst du erst deine Straße verändern. Bevor du deine Straße verändern kannst, musst du erst dein Haus verändern und bevor du dies tun kannst, musst du erst DICH selbst verändern!
  
Kaum haben wir die Bühne mit den Worten "Die Occupy-Bewegung grüßt Sie!" erklommen, schlägt uns Jubel entgegen. Die Zuschauer können wir selbst allerdings kaum erkennen, nur die ersten 20 Reihen vielleicht. Der Rest wird von den Theater-Scheinwerfern verschlungen. Lediglich der Jubel verrät, dass dort weitaus mehr Menschen sitzen.

Auf der Bühne schlagen wir ein Zelt auf und verlesen die Erklärung von Occupy Hamburg. Anschließend besetzen wir die Bühne vollständig. Die von uns hergestellte Zeitung "Human Mic" wird ans Publikum verteilt. Nach 20 Minuten werden wir von einem fiktiven Sicherheitsdienst geräumt. Die, die geräumt wurden und von der Bühne getragen worden, u.a. ich selber, haben sich eng an eng auf eine Nebenbühne gesetzt. Die Gesichter wurden mit Theater-Blut beschmiert und unter Rufen wie "Wir sind friedlich, was seid ihr?" wurde das ganze mit einer Kamera direkt in den Theatersaal übertragen. Diese Darstellung der Verletzten durch die Räumung, stellte die Polizeigewalt bei verschiedenen Räumungen von Occupy-Camps (u.a. vor allem die von Oakland) dar. Dies führte ebenfalls zu Jubel durch das Publikum.
 
Schließlich haben wir nach 30 Minuten vollständig die Bühnen geräumt, haben uns teilweise unter großen Applaus zurück ins Publikum gesetzt oder haben Freigetränke zu uns genommen und Mini-Golf quer durchs Theater gespielt.

Später haben wir die Bühne noch einmal, und wieder unter Jubel, erklommen und weitere Texte verlesen und Transparente aufgehängt. Von der obersten Etage wurden durch uns zahlreiche Flyer hinunter ins Publikum geworfen, was mich unwillkürlich an die deutschen Widerstandsgruppen der NS-Zeit erinnerte. Dieses Mal blieben wir bis zum Schluss auf der Bühne. Am Ende gab es sehr, sehr viel Beifall zusammen mit Standing Ovations. 

Vom Theater habe ich mich anschließend entlang der Binnenalster direkt auf dem Weg zum Hauptbahnhof gemacht und bin direkt mit dem nächsten Zug wieder raus aus Hamburg. Allerdings fuhren vom Zielbahnhof aus keine Busse mehr nach Hause. Deswegen bin ich von dort aus mit einem nicht an Religionen glaubenden Christen nach Hause getrampt.
  
Bevor du die Welt verändern kannst, musst du erst deinen Kontinent verändern. Bevor du aber deinen Kontinent verändern kannst, musst du erst dein Land verändern und bevor du dies verändern kannst, musst du erst deine Provinz verändern!

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